💡 Was Südtiroler KMU aus Crowdsourcing gelernt haben
- izabella innovation
- 8. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Erkenntnisse aus dem Open-Innovation-Projekt Südtirol!
Können kleine und mittlere Unternehmen wirklich von Open Innovation profitieren?
Genau das wollte ein faszinierendes Südtiroler Experiment herausfinden. Im Jahr
2012 schloss sich der LVH (Landesverband der Handwerker) mit der Münchner Innovationsagentur Hyve AG und der Universität Innsbruck zusammen, um eine Crowdsourcing-Plattform für lokale KMU zu starten. Die Initiative war Teil eines EU-geförderten Projekts, das einer zentralen Frage nachging:
👉 Macht Open Innovation für KMU Sinn?
Eine neue Grundlage für kollaborative Innovation
Angesichts der vielen Herausforderungen, mit denen KMU konfrontiert sind begrenzte finanzielle und personelle Ressourcen, fehlende F&E-Kapazitäten und wenige Möglichkeiten zur Innovationskooperation wollte der LVH diese Wettbewerbsnachteile überwinden.
Gemeinsam mit Hyve und der Universität Innsbruck wurde eine digitale Crowdsourcing-Plattform aufgebaut, die kleine Unternehmen mit der breiteren Community verband, um Ideen und Lösungen zu sammeln.
Diese Plattform wurde zu einem lebendigen Innovationslabor, in dem mehrere Südtiroler KMU mit Crowdsourcing experimentierten: Sie luden die Öffentlichkeit und externe Expertinnen und Experten ein, Ideen einzureichen, Lösungen gemeinsam zu entwickeln und neue Produkte zu prototypisieren.

Was funktioniert, und was nicht?
Um zu verstehen, wie dieser Prozess in der Praxis funktioniert, führte ich Interviews mit teilnehmenden KMU, einem Projektmanager des LVH und einem Innovationsmanager der Hyve AG. Ziel war es, Erfolgsfaktoren und Stolpersteine zu identifizieren, und daraus Lernpunkte für andere KMU abzuleiten.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie:
🧩 1. Die Kraft der richtigen Fragestellung
Der erste und vielleicht wichtigste Erfolgsfaktor ist die Qualität der Problemdefinition.
KMU unterschätzen diesen Schritt häufig. Ist die Frage zu breit (z. B. „Was kann man mit einem Apfel machen?“), entstehen irrelevante Antworten. Ist sie zu eng gefasst, bleibt die Kreativität auf der Strecke.
Die erfolgreichsten Kampagnen zeichneten sich durch klare, spezifische und inspirierende Herausforderungen aus, die reale Unternehmensbedürfnisse widerspiegelten und zugleich zur Teilnahme motivierten.
💡 Lektion: Investieren Sie Zeit in die präzise Definition des eigentlichen Problems. Sie ist das Fundament des gesamten Prozesses.
🧭 2. Ideen mit dem Kerngeschäft in Einklang bringen
Mehrere KMU generierten kreative und vielversprechende Ideen, scheiterten jedoch bei der Umsetzung. Der Grund: Die Ideen passten nicht zum bestehenden Geschäftsmodell.
Ohne passende Vertriebskanäle, Produktionskapazitäten oder internes Know-how konnten selbst die besten Konzepte nicht realisiert werden.
💡 Lektion: Crowdsourcing bedeutet nicht nur Ideengenerierung, sondern vor allem die Auswahl jener Ideen, die zur eigenen Strategie und zu den Stärken des Unternehmens passen.
📊 3. Marktforschung nicht überspringen
Innovation ohne Marktvalidierung ist riskant.
Einige Unternehmen brachten optisch überzeugende Produkte auf den Markt, die jedoch zu teuer waren oder bestehenden Angeboten zu stark ähnelten. Ohne fundiertes Verständnis der Zielgruppe, der Preisbereitschaft und des Wettbewerbs blieb der Markterfolg aus.
💡 Lektion: Validieren Sie Ihre Idee vor der Investition in die Produktion. Analysieren Sie Marktgröße, Nachfrage, Wettbewerb und potenzielle Vertriebskanäle.
🧱 4. Umsetzung ist der schwierigste Teil
Selbst mit voller Unterstützung des LVH empfanden die meisten KMU die Umsetzungsphase als größte Herausforderung.
Die Transformation von Ideen in marktfähige Produkte erforderte Zeit, technisches Know-how und engagierte Mitarbeitende. Allesamt knappe Ressourcen in kleinen Betrieben. In manchen Fällen fehlte zudem die interne Akzeptanz, was zu Widerständen führte.
💡 Lektion: Binden Sie Ihr Team frühzeitig ein. Crowdsourcing ist kein Ein-Personen-Projekt, sondern ein kollaborativer Prozess auf allen Ebenen.
💰 5. Crowdfunding als nächster Schritt
Eine interessante Erkenntnis: Crowdfunding kann Crowdsourcing sinnvoll ergänzen.
Nach der Ideensammlung nutzten einige KMU Crowdfunding, um echtes Kundeninteresse zu testen und frühzeitig Feedback zu erhalten. Selbst wenn das Finanzierungsziel nicht erreicht wurde, lieferten die Kampagnen wertvolle Einblicke in Preisgestaltung, Nachfrage und Kundenwahrnehmung.
💡 Lektion: Nutzen Sie Crowdfunding nicht nur zur Finanzierung, sondern auch als Instrument zur Marktvalidierung.
🎯 6. Nische ist das neue Groß
Die erfolgreichsten Projekte konzentrierten sich auf Nischenmärkte, etwa Produkte für ältere Menschen oder Innovationen im lokalen Tourismus.
Durch den Fokus auf kleinere Zielgruppen reduzierten die Unternehmen den Wettbewerb und positionierten sich als Spezialisten.
💡 Lektion: Innovation muss nicht global sein. Die Lösung eines sehr spezifischen Problems kann große Chancen eröffnen.
🌍 7. Lokal oder global? Beides hat Wert
Der Projekterfolg basierte stark auf der Einbindung der lokalen Community, was Vertrauen und Sichtbarkeit schuf. Gleichzeitig wünschten sich einige Unternehmer internationale Teilnehmende, um neue Perspektiven und vielfältigere Ideen zu gewinnen.
💡 Lektion: Lokale Verwurzelung ist wertvoll, doch die besten Innovationen entstehen, wenn lokales Wissen auf globale Kreativität trifft.
👩💼 8. Die Haltung ist entscheidend
Letztlich hing der Erfolg vom Mindset der Unternehmerinnen und Unternehmer ab.
Offene, neugierige und engagierte Gründer schöpften den größten Mehrwert aus dem Prozess. Wo interne Uneinigkeit herrschte oder das Projekt nur nebenbei betrieben wurde, scheiterten selbst gute Ideen.
💡 Lektion: Innovation beginnt mit Führung. Bleiben Sie engagiert, flexibel und experimentierfreudig.
🧠 Fazit
Die Südtiroler Erfahrung zeigt: Crowdsourcing kann ein wirkungsvolles Innovationsinstrument für KMU sein – aber kein Schnellrezept.
Erforderlich sind:
Sorgfältige Vorbereitung
Strategische Ausrichtung am Kerngeschäft
Ein unterstützendes, aufgeschlossenes Team
Kontinuierliches Lernen und Iteration
Richtig umgesetzt, ermöglicht Crowdsourcing:
✅ Frische Ideen aus unerwarteten Quellen
✅ Schnellere Innovation bei geringeren Kosten
✅ Stärkere Kundenbindung und höhere Markenbekanntheit
Und vielleicht am wichtigsten: Es gibt kleinen Unternehmen das Selbstvertrauen, mutig zu innovieren.
📌 Wenn Sie als KMU-Inhaber oder Innovationsmanager Open Innovation in Betracht ziehen, lassen Sie sich von Südtirol inspirieren: Kleine Unternehmen können groß innovieren wenn sie zusammenarbeiten.




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